Eine öffentliche Kantine für Göttingen
Ich möchte als Oberbürgermeister dafür sorgen, dass in Göttingen eine öffentliche, von der Stadt betriebene Kantine eröffnet wird. Sie soll für Menschen aus Grone, der Weststadt, Hagenberg und Holtenser Berg gut erreichbar sein. Es soll ein Modellprojekt sein. Wenn es gut von den Menschen angenommen wird, könnten weitere Kantinen folgen.
Jeden Tag werden dort frisch zubereitete Gerichte angeboten, von denen das günstigste immer nur drei Euro kostet. Damit schlage ich gemeinsam mit meiner Partei, Die Linke, ein wirksames Programm gegen die steigenden Lebensmittelpreise und Mieten vor – und gegen die Einsamkeit. Denn die Kantine soll öffentlicher Treffpunkt für alle Menschen in der Gegend sein.
Kantinen gibt es in Betrieben wie der UMG, die Mensen der Universität sind nichts anderes als Kantinen unter anderen Namen. Diese Kantinen stehen aber nicht der normalen Bevölkerung offen, um sie mit zugleich günstigem und gesundem Essen zu versorgen. Das ist aber möglich, wenn nicht Gewinn, sondern die Deckung der Kosten das Ziel ist.
Kantinen für sozialen Umwelt- und Klimaschutz
Es gibt viele gute Argumente für öffentliche Kantinen. Zum Beispiel feministische: Bis heute ist die Zubereitung von Mahlzeiten eine Form von unbezahlter Hausarbeit, für die vor allem Frauen verantwortlich sind. Genau aus solchen Gründen haben Linke und Feminist*innen schon immer dafür gekämpft, die Arbeit aus den privaten Küchen und Haushalten zu holen und stattdessen in öffentlichen Kantinen für alle zu organisieren.
Auch in der Landwirtschaftspolitik können öffentliche Kantinen eine wichtige Rolle spielen. Indem sie langfristig auskömmliche Mengen an Lebensmitteln von regionalen Erzeuger*innen oder Erzeugergemeinschaften direkt beziehen, ohne den Umweg über Großmarkt und Einzelhandel, schaffen sie stabile Perspektiven für die Höfe in der Region – und machen gleichzeitig frische, saisonale Lebensmittel für alle in der Stadt zugänglich.
Eine öffentliche Kantine ist außerdem ein sozial gerechtes Instrument für wirksamen Klima- und Umweltschutz. Industrielle Anbaumethoden und Massentierhaltung sind einer der größten Treiber von Klimakrise und Artensterben. Was dagegen hilft: pflanzenbasierte, regionale und saisonale Ernährung auf Bio-Basis. Eine solche Ernährungsweise können sich heute aber nur wenige leisten. Öffentliche Kantinen sind ein Weg, gesundes und nachhaltig produziertes Essen aus der Öko-Lifestyle-Bubble herauszulösen und für alle zugänglich zu machen.
Und schließlich soll die öffentliche Modellkantine auch ein einladender öffentlicher Räum sein, in dem die unterschiedlichsten Nachbarinnen und Nachbarn zusammenkommen und sich gerne aufhalten. Vor allem soll die Kantine aber auch von den Bewohner*innen der Viertel als öffentlicher Raum genutzt werden können.
Ich orientiere mich mit dem Vorschlag an einem detailliert ausgearbeiteten Plan der Partei Die Linke aus Berlin . Eine kleine Kantine mit Produktionsküche, die an 240 Tagen im Jahr jeweils 250 Mahlzeiten für drei Euro anbietet, kann mit einem jährlichen Zuschuss von etwa 460.000€ (für Miete, Energie, Personalkosten etc.) wirtschaftlich betrieben werden.
Seite wurde am 10. März 2026 gedruckt. Die aktuelle Version gibt es unter https://thomasgoes.de/eine-offentliche-kantine-fur-gottingen/.